Warum ein freier Fluchtweg auf dem Papier noch kein freier Fluchtweg in der Halle ist

Im Grundriss ist ein Fluchtweg eine Linie mit einer vorgeschriebenen Breite. In der Halle ist er ein Streifen Boden, auf den während des Aufbaus ständig irgendetwas abgestellt wird.

Ein Beispiel aus einem Konzeptcheck

Ein Entwurf zeigt einen Fluchtweg, der exakt die geforderte Breite einhält, sauber bemaßt, technisch unauffällig. Beim Aufbau selbst steht genau an dieser Stelle über zwei Tage hinweg ein Stapel leerer Transportkisten, weil es dort am meisten Platz gab.

Warum dieser Punkt bei der Prüfung oft zu kurz kommt

Ein Konzeptcheck prüft in erster Linie den geplanten Zustand, nicht den Zustand während der Bauphase. Der Fluchtweg ist im fertigen Entwurf frei, die Zwischenphasen des Aufbaus tauchen in den Unterlagen meist gar nicht auf.

Was viele dabei annehmen

Viele gehen davon aus, dass ein im Plan korrekt eingezeichneter Fluchtweg automatisch auch während des Aufbaus frei bleibt. Tatsächlich hängt das ausschließlich davon ab, ob jemand vor Ort diese Fläche aktiv freihält, nicht davon, was im Plan steht.

Wie ich diesen Punkt in die Prüfung einbaue

Neben dem fertigen Grundriss frage ich bei einem Konzeptcheck auch nach dem geplanten Bauablauf, in welcher Reihenfolge Material angeliefert und zwischengelagert wird. Fehlt dieser Ablauf, weise ich darauf hin, dass der Fluchtweg sonst zur Lagerfläche wird, ohne dass es jemand so entscheidet.

Ein zweites Beispiel

Bei einem anderen Projekt wurde ein Fluchtweg während des Aufbaus durch ein geparktes Hubarbeitsgerät blockiert, das dort nur für eine einzelne Arbeit kurz abgestellt werden sollte. Aus dieser kurzen Phase wurde ein ganzer Aufbautag, weil das Gerät erst am Abend wieder gebraucht wurde.

Was bei mehreren gleichzeitig arbeitenden Gewerken zusätzlich gilt

Arbeiten mehrere Gewerke gleichzeitig in derselben Halle, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jedes einzelne Gewerk den Fluchtweg nur kurz und aus eigener Sicht nutzt, in der Summe aber durchgehend blockiert. Deshalb frage ich, wer auf der Baustelle die Verantwortung für diese Fläche insgesamt trägt, nicht nur für den eigenen Abschnitt.

Was ich von einer guten Bauleitung erwarte

Eine gute Bauleitung kontrolliert den Fluchtweg nicht einmal am Anfang, sondern mehrfach über den gesamten Aufbau verteilt, gerade an den Tagen mit der meisten Anlieferung. Diese wiederholte Kontrolle gehört für mich genauso zur Sicherheit wie die ursprüngliche Planung.

Was bei engen Hallen zusätzlich zu beachten ist

In einer eng bebauten Halle mit wenig Zwischenlagerfläche wird der Fluchtweg besonders schnell zur einzigen freien Fläche, die irgendjemandem gerade zur Verfügung steht. Hier lohnt sich vorab eine feste Zwischenlagerzone außerhalb des Fluchtwegs, auch wenn das Standfläche kostet.

Was eine Begehung vor Ort verändert

Eine kurze Begehung am Abend des ersten Aufbautags zeigt oft schon, ob der Fluchtweg in der Praxis eingehalten wird oder nicht. Diese Begehung ersetzt keine Planung, deckt aber genau die Stellen auf, die sich aus dem Papier nicht ablesen lassen.

Was das für die Verantwortung bedeutet

Bleibt ein Fluchtweg während des Aufbaus blockiert, trägt diese Verantwortung am Ende nicht der Planer, der den Weg korrekt eingezeichnet hat, sondern wer vor Ort für die Baustelle zuständig ist. Deshalb gehört die Kontrolle während des Aufbaus für mich genauso zur technischen Prüfung wie der Grundriss selbst.

Was ich Auftraggebern dazu rate

Ich rate Auftraggebern, die Frage nach dem Fluchtweg während der Bauphase ausdrücklich in den Vertrag mit dem Messebauer aufzunehmen, nicht nur als Standardsatz, sondern mit einer konkret benannten Verantwortlichkeit. Eine klar benannte Person verändert mehr als jede zusätzliche Zeile im Plan.

Was ich bei der Abnahme zusätzlich prüfe

Bei der Abnahme vor Standeröffnung gehe ich den Fluchtweg bewusst noch einmal vollständig ab, auch an Stellen, die im Plan unauffällig wirken. Diese letzte Kontrolle kostet wenige Minuten und verhindert, dass ein während des Aufbaus vergessener Gegenstand bis zur Messeeröffnung liegen bleibt.

Was bei einem Materialwechsel kurz vor dem Aufbau zusätzlich gilt

Wird ein Material kurzfristig gegen eine Alternative getauscht, prüfe ich auch, ob sich dadurch die Lage oder Breite des Fluchtwegs verändert, etwa weil das neue Material andere Transportverpackungen oder größere Zwischenlager braucht. Ein unauffälliger Materialwechsel kann so indirekt genau die Fläche betreffen, die eigentlich frei bleiben sollte.

Ein Fluchtweg ist nicht schon sicher, weil er korrekt eingezeichnet ist. Er ist erst sicher, wenn er während des gesamten Aufbaus auch tatsächlich frei bleibt.

Wenn Sie Ihren Standentwurf nicht nur im fertigen Zustand, sondern auch während der Bauphase prüfen lassen möchten, schreiben Sie mir über die Kontaktseite auf peterholubec.de.