Wer entscheidet eigentlich vor Ort, wenn während des Aufbaus etwas vom Plan abweicht?

Ein Aufbau läuft fast nie exakt so, wie er in der Zeichnung steht. Ein Träger sitzt zwei Zentimeter anders, ein Anschluss liegt nicht dort, wo er im Plan eingezeichnet war, oder ein Bauteil aus der Vorfertigung passt nicht ganz auf das, was vor Ort tatsächlich vorgefunden wird.

In diesem Moment steht jemand vor der Fläche und muss etwas entscheiden. Die Frage ist, wer das sein darf.

Ein Beispiel, das sich in vielen Hallen so abspielt

Stellen Sie sich eine Wand vor, die laut Plan an eine bestehende Säule anschließen soll. Vor Ort zeigt sich, dass die Säule etwas weiter innen steht, als es die Bestandsunterlagen der Halle vorsehen. Der Monteur steht davor, die Zeit läuft, und drei Möglichkeiten liegen auf dem Tisch. Die Wand etwas verschieben, den Anschluss anders lösen, oder den Fall nach oben melden und warten.

Jede dieser Optionen hat Folgen für Statik, Optik oder Zeitplan. Ein Monteur kann das technisch oft lösen. Ob er es lösen darf, ist eine andere Frage, und die hat mit Verantwortung zu tun, nicht mit Können.

Die Entscheidung landet oft bei der Person, die gerade da ist

In der Praxis entscheidet häufig, wer in diesem Moment zufällig auf der Fläche steht. Das kann der Monteur sein, der Vorarbeiter, gelegentlich auch jemand vom Auftraggeber, der sich den Aufbau ansieht und gefragt wird, weil er gerade greifbar ist.

Das ist keine böse Absicht von irgendjemandem. Es ist die Folge davon, dass die Frage vorher nicht gestellt wurde. Wenn niemand definiert hat, wer bei einer Abweichung entscheidet, entscheidet am Ende, wer gerade in der Nähe steht, und diese Person trägt dann eine Verantwortung, die eigentlich nicht bei ihr liegen sollte.

Was auf dem Papier gut aussieht, muss im Aufbau nicht mehr stimmen

Das ist der Kern meiner Arbeit als Interessenvertreter des Auftraggebers. Auf dem Papier sieht vieles gut aus. Ob es trägt, zeigt sich erst im Aufbau, und zwar nicht nur konstruktiv, sondern auch organisatorisch.

Ich sorge dafür, dass diese Frage vor dem ersten Aufbautag beantwortet ist, nicht während dessen. Wer entscheidet bei kleinen Abweichungen selbst. Ab welcher Größenordnung wird jemand hinzugezogen. Und wer wird informiert, wenn eine Entscheidung Folgen für Kosten oder Optik hat, auch wenn sie technisch unproblematisch ist.

Ein zweites Beispiel macht den Unterschied deutlich. Wenn ein Podest an einer Stelle einen Zentimeter niedriger ausfällt, weil der Hallenboden dort nicht eben ist, kann das jemand vor Ort in fünf Minuten lösen. Wenn dieselbe Abweichung dazu führt, dass eine geplante Treppe eine Stufe verliert, geht die Entscheidung mich etwas an, weil sie die Sicherheit berührt. Der Unterschied zwischen beiden Fällen ist selten offensichtlich, wenn man mittendrin steht. Deshalb muss die Grenze vorher gezogen sein, nicht in dem Moment, in dem die Uhr schon läuft.

In den meisten Projekten reicht dafür ein kurzes Dokument, keine Seiten voller Regelwerk. Eine Tabelle mit zwei Spalten, links die Art der Abweichung, rechts wer entscheidet, genügt fast immer. Wichtig ist nicht der Umfang, sondern dass sie vor dem ersten Aufbautag existiert und dass jeder auf der Fläche weiß, dass es sie gibt.

Warum das nicht Misstrauen gegenüber dem Messebauer ist

Manche verstehen diese Rolle zunächst falsch, als würde ich dem Messebauer bei jedem Handgriff über die Schulter schauen. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Messebauer, der weiß, wo die Entscheidungsgrenzen liegen, kann innerhalb dieser Grenzen frei und schnell arbeiten, ohne bei jeder Kleinigkeit rückfragen zu müssen.

Die Klarheit beschleunigt den Aufbau eher, als dass sie ihn bremst. Verzögerungen entstehen fast immer dort, wo niemand weiß, wer jetzt reden darf, nicht dort, wo zu viel gefragt wird.

Drei Fragen, die vor dem Aufbau eine Antwort brauchen

Fragen Sie, wer bei kleinen technischen Abweichungen vor Ort selbst entscheiden darf. Fragen Sie, ab welcher Abweichung eine Rückmeldung an Sie nötig ist. Und fragen Sie, wer diese Rückmeldung tatsächlich bekommt, nicht nur in der Theorie, sondern mit einem Namen und einer erreichbaren Nummer.

Wenn diese drei Antworten stehen, ist ein Aufbautag mit Abweichung ein normaler Tag. Wenn sie fehlen, wird aus einer Kleinigkeit auf einmal eine Diskussion, die niemand vorbereitet hat.

Eine Abweichung auf der Baustelle ist kein Zeichen für schlechte Planung. Sie ist normal. Was zählt, ist nicht, ob sie auftritt, sondern wer in diesem Moment sprechen darf.

Wenn Sie gerade planen und diese Frage bei Ihnen noch offen ist, schreiben Sie mir über die Kontaktseite auf peterholubec.de.